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Wie man gute Investments findet: Ein 10-Punkte-System zur Beurteilung von Coins & ICOs

Kryptowährungen scheitern momentan nicht an der Technik oder mangelnden Use-Cases, sondern schlicht und einfach an mangelnder Akzeptanz in breiten Bevölkerungsschichten. Klar ist deshalb, dass sich langfristig die Kryptowährung als Geld, oder universelles Tauschmittel, etablieren wird, die es schafft diese Akzeptanz herzustellen.

Ich habe deshalb für mich selbst ein einfaches 10-Punkte-Bewertungsschema entwickelt, mit dem man die Qualität einer Coin oder eines ICO schnell beurteilen kann.

Insgesamt habe ich 5 Bereiche identifiziert, für die ich jeweils zwischen 0 und 2 Punkte vergebe. Insgesamt kann eine Coin also eine Bewertung im Bereich von 0-10 erhalten, was für die meisten eine vertraute Skala ist. Was sind nun also die 5 großen Bereiche, die in die Analyse einfließen?

  1. Benutzerfreundlichkeit Allgemein
  2. Einfache und schnelle Transaktionen
  3. Verfügbarkeit
  4. Technischer Mehrwert & Anlageszenarien
  5. Team & Marketing

Die ersten drei dieser Punkte zielen alle darauf ab, dass die Coin leicht Akzeptanz findet, denn dies ist es was momentan zum Beispiel die Entwicklung von Bitcoin behindert. Es wird viel auf technischer Ebene diskutiert (SegWit2x, Hardfork usw.) und dabei der Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen:

[bctt tweet=“Das Problem von #Bitcoin sind nicht Transferraten, sondern dass niemand auf der Straße Bitcoin hat“]

Deshalb habe ich 3 von 5 Punkten, oder 60% Bereichen gewidmet, die meiner Meinung nach zu einer schnelleren Akzeptanz der Kryptowährungen beitragen können.

Benutzerfreundlichkeit Allgemein

Benutzerfreundlichkeit ist ein weit gefasster Begriff, der einiger Präzisierung bedarf. Was ist also damit gemeint?

Hier kommen Faktoren wie die Software, beispielsweise das Wallet, ins Spiel. So sind Lite-Wallets definitiv die bessere Wahl für 99,9% der potentiellen Nutzer. Kaum jemand wird die Geduld aufbringen sich die volle Blockchain herunterzuladen bevor er beginnen kann die Coin zu benutzen. Zusätzlich muss in diesem Fall noch bei jedem Start des Wallets aufs Neue gewartet werden bis die Blöcke synchronisiert sind.

Auch die Aufmachung der Webseite und gute Tutorials dort haben einen Anteil. Idealerweise ist die Nutzung der Kryptowährung so einfach wie die Benutzung eines Smartphones: Jeder kann es schaffen, auch ohne Hilfe. In der Realität sieht es zumeist anders aus und die Erfinder/Betreiber der Cryptocurrencies richten sich in ihrer Sprache und dem Design ihrer Software eher an technisch versierte Nutzer. Dadurch werden hohe und unnötige Markteintrittsbarrieren aufgebaut.

Einfache und schnelle Transaktionen

Die Blockchain hat das größte Potential im Bereich der Finanztransaktionen. Dies liegt daran, dass die klassische Blockchain ein relativ teurer und aufwendiger Weg ist um Daten zu übertragen. Deshalb müssen die Daten, die übertragen werden, einen inhärenten Wert haben. Dies ist bei Finanztransaktionen immer der Fall, bei einem „Youtube“ auf der Blockchain wäre dies zum Beispiel nicht so: Hier werden gigantische Datenmengen übertragen, die einen nur sehr geringen Geldwert haben.

Deshalb ist die Einfachheit und Geschwindigkeit von Finanztransaktionen von zentraler Bedeutung. Idealerweise muss eine solche Transaktion auf der Blockchain einfacher sein als eine Online-Banküberweisung. Wenn man sich den aktuellen Stand vieler Kryptowährungen ansieht, scheint es bis dahin noch ein weiter Weg.

Verfügbarkeit

Mit Verfügbarkeit ist die Verfügbarkeit gegen Fiat-Währungen wie Euro oder US-Dollar gemeint. Einem technisch nicht versierten Einsteiger hilft es nicht, wenn die betreffende Coin auf 10 verschiedenen Exchanges gelistet ist und dort nur gegen Bitcoin (BTC), Ethereum (ETH) und andere Kryptowährungen gehandelt werden kann. Die Währung muss einfach und gegen geringe Gebühren an offensichtlichen Anlaufstellen erhältlich sein. Für dieses Problem muss eine Lösung gefunden werden.  Die meisten Leute würden davon ausgehen, dass sie auf Ethereum.org unkompliziert ETH kaufen können.

Hier stellt sich auch die Frage ob der aktuell dominierende Proof-of-Work, bei dem gemined werden muss, nicht hinderlich in Sachen breiter Akzeptanz ist und ob eventuell ein Proof-of-Stake-System mit einer festgelegten Anzahl an Coins, bei dem ein Token wie beispielsweise GAS bei NEO ausgegeben wird, nicht die bessere Wahl sein könnte.

Technischer Mehrwert & Anlageszenarien

Diese Kategorie probiert relevante Vorteil gegenüber der Nutzung von klassischem Geld wie Euro oder Dollar abzubilden. Hier fallen alle typischerweise mit Cryptos assoziierten Eigenschaften wie Fälschungssicherheit, Dezentralität etc. darunter.

Ganz Entscheidend ist aber selbstverständlich das Anlageszenario, insbesondere bei ICOs. Hier muss man sich kritisch die Frage stellen aus welchen Gründen der ECR20 Token, oder auch eine Coin, in Zukunft dramatisch an Wert gewinnen soll.

Insbesondere bei den Tokens die man aus ICOs erhält ist dies wichtig, da diese entgegen der landläufigen Meinung keine Anteile an der Firma darstellen. Es sind also keine Aktien, sondern in erster Linie nur ein Transaktionsvehikel, dass dem Herausgeber des Tokens ermöglich ETH und BTC einzusammeln. Die Information welchen Gegenwert der Tokens überhaupt bieten soll, findet sich im typischerweise Whitepaper und dort warten oft negative Überraschungen auf einen. Ein Beispiel für eine solche negative Überraschung ist meine Analyse von EOS, die ich Studienzwecken sehr empfehlen kann:

Team & Marketing

Der Aspekt des Marketings wird beim aktuellen Marktführer deutlich unterschätzt, mir persönlich begegnete noch nie eine Werbung für Bitcoin in der „realen“ Welt. Bei einigen der Altcoins, wie beispielsweise EOS oder Dash sieht das anders aus, hier wird Werbung aus einem dafür zur Verfügung stehenden Budget geschaltet.

Zuletzt spielt natürlich auch das Team hinter der Coin eine große Rolle. Damit sind nicht nur Programmierer gemeint, sondern auch Leute die Öffentlichkeitsarbeit leisten. Hier spielt selbstverständlich das Studium von Linked.in und anderen Social Media Profilen eine große Rolle, wobei insbesondere auf Anzeichen für Fakeprofile zu achten ist. Leute die als Berater (Adviser) geführt werden, sollten nur mit Vorsicht in die Bewertung eingezogen werden, da vielfach Fälle bekannt sind bei denen z.B. Vitalik Buterin als Adviser angegeben wurde, er laut eigenen Aussagen aber nur 30 Sekunden Kontakt für ein Selfie mit den Leuten des Projektes hatte.

Fazit

Alle erwähnten Aspekte sind aus meiner Sicht fundamental wichtig, jedoch passen starre Modelle, wie das hier vorgestellte, nie zu 100% auf einen Einzelfall. Deshalb bleibt es wichtig, dass man sich immer wieder darüber Gedanken macht welcher dieser Punkte bei einem bestimmten Projekt vielleicht höher zu Gewichten ist und erst dann eine Investmententscheidung fällt.

Ich wünsche euch allen weiterhin viel Erfolg beim Investieren.

Fabian

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